Lederherstellung, Lederarten und Ledepflege

Leder ist ein natürlich gewachsener Rohstoff.

Diesen natürlichen Ursprung muß man sich vor Augen halten, wenn man eine Lederhaut betrachtet und eine Unregelmäßigkeit auffindet. (Dies hat natürlich nichts mit Fehlern zu tun, die erst durch den Herstellungsprozeß des Leders entstanden sind.)
Selbst bei hochwertigsten Qualitäten können Naturmerkmale, wie Narben oder Insektenstiche nicht ausgeschlossen werden. Jeder Lederartikel ist deshalb ein unverwechselbares Einzelstück. Kleine Narben oder Unregelmäßigkeiten sind daher kein Grund zur Reklamation sondern vielmehr ein individuelles Merkmal, daß es sich bei dem erworbenen Lederprodukt um ein Naturmaterial handelt.

Lederherstellung

Von der Haut zum Leder ... Im Lederherstellungsprozeß wird die rohe Haut in den Gerbereien nach dem ersten Reinigungsvorgang gespalten, um gleichmäßig dickes Leder zu erhalten. Nach der Gerbung, einem Haltbarmachen der rohen Tierhaut, liegt dann der Werkstoff Leder vor. Nach einem weiteren Reinigungsschritt beginnt man mit dem Färben. Die Leder werden in der sogenannten Faßfärbung durchgefärbt, also in eine Farblösung getaucht.

Je nach Beschaffenheit der Häute entstehen folgende Lederarten:

1. Naturbelassenes, Rein-Anilin-Leder
Hier wird das Leder ohne weiteres Aufbringen von Farbe verarbeitet. Man verwendet dazu nur die besten Häute, diese werden zu den sog. naturbelassenen Ledern, auch Rein-Anilin-Leder genannt, verarbeitet. Das Leder wird nur noch noch gefettet, denn der Fettgehalt bestimmt wesentlich die Eigenschaften des Leders (z.B. die Weichheit) und es wird noch eine leichte Schutzschicht zur Abweisung von Schmutz aufgebracht.
Diese nur fassgefärbten Leder zeigen noch alle Naturmerkmale einer Tierhaut, demzufolge variiert auch die Farbverteilung und die Ebenmäßigkeit des Leders. Es handelt sich hier um sehr weiche, griffige Leder, die Poren sind noch sichtbar und dadurch ist auch die Atmungsaktivität des Leders voll erhalten. Diese Offenporigkeit ermöglicht auch einen Temperaturausgleich des Leders (das Leder fühlt sich warm an).

2. Leicht pigmentierte bzw. Semi-Anilinleder
Hier wird nach der Faßfärbung noch eine leichte, schönende Farbschicht aufgebracht. Die Naturmerkmale sind danach nicht mehr so stark sichtbar. Dieses Leder erhält dann nach der Färbung noch eine Schutzschicht, um den Schmutz besser abweisen zu können. Durch die leichte Dechschicht wird as Leder etwas unempfindlicher, fühlt sich aber trotzdem noch weich an. Die Poren der Haut sind zum größten Teil noch erkennbar, Temperaturausgleich und Atmungsaktivität sind noch gewährleistet.

3. Pigmentierte bzw. gedeckte Leder
Hier werden die Häute mit den meisten Naturmerkmalen (Stiche, Narben etc.) verwendet. Es wird eine Farbschicht aufgebracht, um die Oberfläche zu schönen. Die Hautoberfläche wird also abgedeckt und die Naturmerkmale sind in der Regel nicht mehr zu erkennen. Manche Leder werden dann noch geprägt, um ihnen ein natürliches Aussehen zu verleihen. Zum Schluß wird auch hier durch Färbung eine Schutzschicht aufgebracht, um Schmutz abweisen zu können. Die Poren sind bei diesem Leder meist geschlossen und die Atmungsaktivität wird dadurch eingeschränkt. Der Vorteil ist eine enorme Strapazierfähigkeit.

4. Nubuk-, Velour- und Wildleder

Diese Lederarten haben ine amtige Oberfläche. Dieser Effekt wird beim Nubuk durch Anschleiffen des Narbenspaltes erzielt. Bei Velour- und Wildleder wirde wirde der Fleischspalt verwendet. Die Haut wurde zuvor in einen Narbenspalt (Oberseite der Haut) und einen Fleischspalt (Hautunterseite) aufgespalten. In der Regel wird noch eine Imprägnierung aufgebracht um Schmutz abzuweisen. Dieses Lederaarten lassen sich vor Verschmutzung nur durch regelmäßige Imprägnierung schützen.


Lederbezeichnungen

Nach Verwendungszweck

* Sattler- und Täschnerleder
o Geschirrleder. Geschwärztes oder naturelles, stärker gefettetes Blankleder.
o Feinleder. Sammelbezeichnung für die in der Feintäschnerei verarbeiteten Lederarten.
* Schuhunter- und Schuhoberleder
o Sohlleder. Dickes, wenig biegsames Leder pflanzlicher Gerbung, meist Rindsleder
* Möbelleder und Autoleder
* Bekleidungs- und Handschuhleder
* Buchbinderleder
* Futterleder
* Technische Leder

Nach Herstellung

* Blankleder ist ein pflanzlich gegerbtes, leicht gefettetes naturelles oder gefärbtes Rindleder für Sättel, Taschen und Reitzeug.
* Chromleder wurde 1858 erfunden und wird mit Chromsalzen gegerbt.
* Pflanzlich gegerbtes Leder. Diese Leder wurde mithilfe von pflanzliche Gerbstoffen (z. B. Rinden) gegerbt. (Geringe Schrumpfungstemperatur).
* Rhabarberleder durch Gerbung mit Extrakten der Rhabarberwurzel.
* Sämischleder ist eine Ledersorte, welche nur mittels Fett (ursp. Waltran) gegerbt wird. Als Rohmaterial wurden Häute von Gämsen, Rehen, Hirschen, Rentieren, Ziegen, Schafen, Kälbern und Rindern verwendet.
* Spaltleder sind die durch Spalten gewonnenen mittleren und unteren Teile der Haut.
* Alaungegerbtes Leder wurde mit Aluminiumsalzen gegerbt. (Weißgerberei).
* Vollleder sind die nach der Haarseite gelegenen oberen Teile der Haut, die durch Bearbeitung von der Fleischseite oder durch Spalten auf die erforderliche Stärke gebracht worden sind.

Nach Herkunft der Haut

* Fischleder (von Hai, Rochen, Dorsch, Aal)
* Kalbsleder
* Känguruleder
* Krokodilleder
* Lammleder
* Rindsleder
* Hirschsleder
* Pferdeleder
* Schlangenleder
* Schweinsleder
* Seehundleder
* Straußenleder
* Zickelleder (vom Zicklein)
* Ziegenleder

Nach Oberflächenbehandlung

* Farbleder
* Glacéleder besteht meist aus Lamm-, Zickel- oder Kalbleder. Es ist sehr weich und durch eine besondere Behandlung waschbar.
* Hühnerleder stammt nicht aus der Haut von Hühnern, sondern aus feinem Schaf- oder Ziegenleder.
* Lackleder ist ein gedecktes, d.h. mit einer Lackschicht bedecktes Leder.
* Nubukleder entsteht, wenn die Oberfläche von Rinds- oder Kalbleder angeschliffen wird, so dass eine feine, samtartig aufgeraute Struktur entsteht.
* Rauhleder ist ein velourartig aufgerautes chromgegerbtes Rinds- oder Kalbleder.
* Schwarzleder wird durch Bürsten des gegerbten Leders mit Eisensalzlösungen (Schwärzen) hergestellt.
* Veloursleder ist ein Sammelbegriff für Ledersorten mit aufgerauter Oberfläche, die auf der Fleisch- oder der Narbenseite angeschliffen werden. Auch Leder, bei dem die rauere Fleischseite nach außen gewendet wird, wird als Veloursleder bezeichnet.
* Hirschleder wird sämisch (Tran) gegerbt.

Sonderbezeichnungen

* Boxcalfleder wird vor allem für Schuhe verwendet. Dieses Kalbleder ist geschmeidig und hat eine hohe Reißfestigkeit.
* Chagrin – Leder vom Pferd. Chagrin ist ein relativ grobes Leder mit grüner Färbung und mit viel Narben. Früher wurde es aus dem Leder des Pferde- oder Eselrückens, heute kann es auch aus Hai- oder Rochenhaut gewonnen werden. Meistens handelt es sich aber um ein chromgegerbtes Rind- oder Mastkalbleder mit Pressnarben und Deckfarbenzurichtung.
* Chamoisleder ist ein fettgegerbtes Gämsenleder mit gutem Saugvermögen.
* Chevreauleder. Ursprünglich wurde mit diesem Begriff ein feines Glacéleder französischer Herkunft bezeichnet. Heute versteht man unter Chevreau ein Ziegenleder, chromzweibad oder kombiniert gegerbt. Für eine Imitation dieses Leders wird oft Schafsleder verwendet (sogenannte Chevretten)
* Cordovan – Leder nur aus der Kruppe des Pferdes
* Ecraséleder werden aus Kapziegen- oder Kalbhäuten hergestellt. Es zeichnet sich nach der Färbung durch kleine, helle „Äderchen“ aus.
* Goldchrom ist ein aus Häuten junger Rinder hergestelltes Chromleder, das gelb gefärbt wird. Es wird vorwiegend zu Sportbällen verarbeitet.
* Juchtenleder ist russischen Ursprungs. Mit jufte „Paar“ wurde die Herstellungstechnik beschrieben. Für die Gerbung wurden immer zwei Häute des sibirischen Steppenrinds zusammengeheftet und mit Weidenrinde gegerbt. Auch heute werden Rinderhäute mit Birkenrindenteer und Weidenrinde gefärbt; danach erhält es eine starke Fettung. Juchtenleder ist rötlich, wasserdicht und geschmeidig.
* Knautschlack ist ein Leder, das mit einer wasserunlöslichen Lackschicht bedeckt ist.
* „Kühlendes Leder“. Im Gegensatz zu herkömmlichem Leder soll es sich in der Sonne nicht aufheizen, weil hier Farbpigmente das Sonnenlicht reflektieren.
* Maroquin oder Marokkoleder ist ein geschwärztes Saffianleder. In der Buchbinderei versteht man darunter aber sumachgegerbte, grobnarbiges, sehr haltbaren Ziegenleder aus den Häuten der afrikanischen Kapziege.
* Mastboxleder ist ein Boxcalfleder aus den Häuten von Mastkälbern.
* Mochaleder oder Mochetto sind auf der Narbenseite geschliffene tuchartig zugerichtete Lamm- und Zickelfelle oder Kalbfelle. Mit das teuerste und haltbarste Handschuhleder, an Weichheit nicht zu übertreffen.
* Nappaleder ist sehr weich und flexibel und wird für Geldbörsen, und andere Lederwaren verwendet. Es wird aus Lamm-, Zickel- oder Kalbleder hergestellt. Nappaleder hat noch die natürliche Oberfläche, auf der einstmals die Haare gesessen haben. Diese Oberfläche ist nicht abgeschliffen.
* Oasenziege ist ein Buchbinderleder, hergestellt aus den Häuten der Sudanziege in Zentralafrika
* Saffianleder. Echtes Saffianleder wird aus den Fellen ostindischer Ziegen hergestellt und mit Sumach gegerbt. Die Bezeichnung wird von der Stadt Safi in Marokko hergeleitet. Für eine Imitation dieses Leder werden Schafsfelle verwendet, die auch unter der Bezeichnung Mouton verkauft werden.
* Vacheleder. Sohlleder, aus Kuhhäuten hergestellt.
* Vachetta Leder oder Vachetten wurde für Koffer und Handtaschen verwendet und bekannt durch Louis Vuitton. Das Leder dunkelt und verändert sich bei Berührung mit Wasser und anderen Flüssigkeiten. Es wird aus großflächigen, vor der Gerbung gespaltenen Rinderhäuten hergestellt. Man unterscheidet zwischen den stark gefetteten und geschwärzten Schmiervachetten, Koffer- und Taschenvachetten und Lack- und Autovachetten.
* Waschleder ist meist ein Lammleder, das sehr dünn ausgeschliffen wird. Es ist voll waschbar.
* Wildleder stammt von Gämsen, Rehen, Hirschen, ostindischen Ziegen, Antilopen, Gazellen oder Rentieren. Es wird sämisch oder kombiniert gegerbt und auf der Narbenseite velourartig zugerichtet. Heute wird meist anstelle von Wildleder Rauleder verwendet.

Wie wird Leder gepflegt?

Damit das Leder im Laufe der Zeit nicht stumpf und spröde, letztendlich hart und brüchig wird, bedarf es Pflege.

Wenn Ihr ein paar Tips beherzigt, werdet Ihr sicher lange Zeit Freude an Eurer Lederkleidung haben:
Schmutz aller Art, v.a. auch Körper- oder Haarfette, setzt sich mit der Zeit auf dem Leder fest (besonders Körperfett ist nicht sofort als Verschmutzer auszumachen). Und häufig tragen trockene Luft und Sonne dazu bei, das Leder vorschnell austrocknen oder gar ausbleichen zu lassen.
Bei leichten Flecken und Verschmutzungen mit einem feuchten Tuch und Seife anfangen. Am besten Lederseife(Sattelseife).
Hartnäckige Flecken sollten einer Leder-Spezialreinigung überlassen werden.
Keine aggressiven Reinigungsmittel wie Benzin verwenden, da es sonst zu Schäden an der Oberfläche des Leders kommt.
Feuchte Lederbekleidung nicht in den Schrank hängen, sonst setzt sie Schimmel an.
Die Sachen erst im Luftzug trocknen lassen. Nicht auf Heizkörpern und nicht in der Sonne trocknen. Lederbekleidung sollte auch nicht in Plastiktüten gelagert werden, sonst kann Schimmel entstehen.

Was man generell vermeiden sollte:
Hitze und längere Sonneneinwirkung sowie starke Feuchtigkeit.
Von Zeit zu Zeit das Leder mit einem handelsüblichen Lederfett einreiben.
Die optimale Pflege erreicht man mit Leder-Spezialspray. Es bringt das Leder auf Hochglanz und schützt vor vorzeitigem Verschleiß.
Wenn man Lederbekleidung farblich auffrischen will, sollte man dafür eine gute farbige Lederpflege verwenden.

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